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„Das Stück gehört der Stadt“

Interview mit dem Regisseur der Festspieloper, Walter Sutcliffe

Herr Sutcliffe, Sie haben schon an vielen namhaften Häusern in Europa und den USA inszeniert. Welches Haus steht noch auf Ihrer Wunschliste?

Ich entscheide nicht anhand des Hauses, welches Projekt ich annehme. Was ich mit einem Stück erreichen kann, ist viel wichtiger als das Stück selbst oder das Haus. Eine tolle Besetzung, ein engagiertes Team auf, vor und hinter der Bühne, das lebendiges Theater machen will – diese Mischung macht’s! Hingehen zu können, wo all das zusammentrifft, macht die Arbeit so reizvoll und erfüllend.

Regie ist …

… mein Verständnis eines Stückes auf die Bühne zu bringen. Ich helfe, eine Geschichte zu erzählen. Und ich unterstütze die Besetzung, diese Geschichte lebendig zu machen. Und die Sängerinnen und Sänger, das Beste aus sich und ihrer Rolle herauszuholen. Dafür führe ich Gespräche – und nicht die Personen.

Gibt es Unterschiede zwischen der Arbeit an einer Oper und mit den Sängern im Vergleich zum Theater und Schauspielern?

Ich glaube, es ist ein riesiger Fehler zu sagen, dass die Arbeit mit Sängern eine andere ist als die mit Schauspielern. Beide nutzen ihre Stimme, um eine Geschichte zu erzählen. Auch der Prozess, die Besprechung und Analyse eines Stückes ist in beiden Bereichen der gleiche.

Aber die Ausbildungen sind sehr unterschiedlich …

Ja, leider. Gerade im Bereich Oper ist sie noch sehr hierarchisch. Sänger haben teilweise die Erwartung, dass der Regisseur sagt, wer wann wo zu stehen hat, wie sie sich bewegen sollen, und dass der Dirigent angibt, wie schnell oder langsam, laut oder leise gesungen wird. Neben technischer Souveränität ist es aber genauso wichtig, die eigene Rolle zu erarbeiten, was die Figur will, vor welchen Problemen sie steht. Sänger brauchen die Fähigkeit, der Musik einen Denkprozess voranzustellen und Teil des kreativen Prozesses zu werden, um die Rolle besitzen zu können.

Was charakterisiert denn die Figuren in Händels Rodrigo?

Händels Figuren sind allgemein psychologisch sehr realistisch angelegt. Sie haben Probleme, sie entwickeln sich weiter, man kann sich mit ihnen identifizieren. Bei Rodrigo sind bis auf Esilena alle regelrecht aggressiv und auf Konflikt aus, was die Oper sehr aktuell macht. Denn in unserer heutigen Gesellschaft, vor allem in der Politik, sind die Dialoge auch sehr viel aggressiver als noch vor ein paar Jahren. Der Inhalt und dessen Aktualität machen das Stück so interessant!

Sie haben im vergangenen Jahr die Festspiele besucht. Was ist Ihnen in Erinnerung geblieben?

Göttingen hat ein sehr gebildetes, interessiertes und internationales Publikum, das die Festspiele unterstützt. Festivals mit internationaler Strahlkraft sind auch für die Stadt, in der sie stattfinden, extrem wichtig. Eine Produktion sollte die Stadt unterstützen, denn das Stück gehört der Stadt und dem Theater, in dem es aufgeführt wird. Darum finde ich es schön, wenn man auf der Bühne mit Elementen spielt, die die Stadt prägen.

… und Sie haben Laurence Cummings kennengelernt.

Ja! Ich verfolge seine Arbeit natürlich schon lange. Er ist ein absolut phantastischer Musiker und ich freue mich, dass ich endlich die Gelegenheit habe, mit ihm zusammenzuarbeiten.

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